Falsche Bande

Jugendfreunde können sich welche nennen, die eine “richtige” Bande verbindet. Eine falsche Bande – wie oben erwähnt – besteht zwischen den beiden Figuren Strella und Nettlinger in Bölls Roman Billard um halbzehn. Doch eines nach dem anderen. In Kapitel 6 hatte Fähmel Senior seine Frau im Sanatorium besucht und mit ihr ein schrecklich schönes Erinnerungsspiel gespielt. Die gute Frau ist über die Zeit, in der sie dort einsitzen darf, selbst ein wenig merkwürdig geworden. Verrückt war sie nie, lediglich gegenüber dem faschistischen Regime, so scheint es, zu aufmüpfig, indem sie sich nicht dafür entschied, hatte sie sich dagegen entschieden. Und indem sie sich hinter einen ihrer Söhne stellte, der mit Bombenlegern sympathisierte, wurde ihre eine Strafe angedroht, die sie nur derart umgehen konnte, als sie sich darauf einließ, ins Sanatorium gesperrt anstatt vor den Henker geführt zu werden. Fast könnte man beim Lesen mit dem alten Fähmel und seiner Frau Mitleid haben, wie sie sich in Erinnerungen vor der Zeit flüchten, vor allem siesich in derartige Erinnerungen flüchtet.
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“Weine nicht, …

… Alter”, heißt es andauernd im 5ten Kapitel von Heinrich Bölls Billard um halbzehn. Gesprochen werden diese Worte von Fähmel Seniors Frau, die sich laut ihrer eigenen Auffassung in einem verwunschenen Schloss aufhält, eigentlich aber in einem Sanatorium hausen muss. Auf knapp 40 Seiten – denn gut 40 können es dank drei oder vier Zeichnungen nicht werden -, findet sich bald ein monologisches Zwiegespräch wieder. Der alte Fähmel kam an seinem 80ten Geburtstag seine Frau im Sanatorium besuchen, die in ihrer Zeitrechnung weit davor stehen geblieben ist. Jeder der sie besuchen kommt, muss sich darauf gefasst machen, dass sie ausschließlich in ihren Erinnerungen leben will. Wir erfahren aus ihrem Munde einige Zusammenhänge aus der Vergangenheit, werden auch über ihre eigene Person informiert.
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Wohin des Weges?

Wohin genau es gehen soll, das weiß der Leser wohl noch nicht, wenn er vor dem Beginn des 5ten Kapitels in Bölls Billard um halbzehn steht. Neben Robert Fähmel wird auch die Person seines Vaters mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. Zwei Generationen, zwei unterschiedliche Positionen, die dennoch einiges verbindet.
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Meine Ahnung…

…war nicht von schlechten Eltern. Immerhin tut sich im zweiten Kapitel absolut nichts mehr aus der Perspektive von Leonore, der Sekretärin Fähmels. In Kapitel 2 von Bölls Buch Billard um halbzehn spielt das Geschehen im Hotel Prinz Heinrich. Der Name ist Programm, sollte man meinen. Um etwaige Verschwörungstheorien oder Putschversuche vor oder in Zeiten der Weimarer Republik ist mir nichts bekannt, das liegt jedoch an meiner Unwissenheit. Dennoch könnte solch ein Zusammenhang zum Namen irgendwo in der Luft liegen. Vielleicht bin ich irgendwann schlauer, wer weiß.
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Alltag einer Schreibkraft

Den kriegt man im Verlauf des ersten Kapitels von Heinrich Bölls Roman Billard um halbzehn vermittelt. Es ist erstaunlich, auf welche Weise Böll es schafft, mich für diese Person, Leonore zu interessieren. Natürlich habe ich bislang nur das erste Kapitel gelesen und es kann auch passieren, dass Leonore fortan überhaupt keine Rolle mehr spielt, aber bislang hat sie zumindest ein gutes Medium gemimt. Es sind die Augen Leonores, durch die Böll im ersten Kapitel die Geschehnisse weitgehend schildert.
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