Eine runde Sache

Nicht unbedingt wegen des eierköpfigen Trägers, trägt der Artikel diese Überschrift, sondern wegen dessen umfassenden Ausarbeitung. Gotthold Ephraim Lessing – Gott hab ihn selig – wurde 1729 in Kamenz geboren und verschied im Februar 1781 in der Stadt Braunschweig, die noch heute Stolz auf das Ableben Lessings sein kann. In der Doppeldeutigkeit dieser Anmerkungen muss sich der Leser die eigene Wahrheit suchen; sinnvollerweise ist jedoch an dieser Stelle darauf hingewiesen, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Die Meinung des Autors über Lessing ist keineswegs schlecht.

Lessing hat selbst nicht nur etliche Theaterstücke geschrieben, sondern sich auch in Schriften poetologisch geäußert. Einige seiner Ausführungen sollen im Folgenden beschrieben werden.
Continue reading Eine runde Sache

Vor die Deutschen – Gottsched

Dreißigjährig veröffentlicht Johann Christoph Gottsched im Jahr 1730 seine poetologische Abhandlung Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen. Seine Lebenszeit hatte zu diesem Zeitpunkt die erste Hälfte noch nicht erreicht. Geboren um die Jahrhundertwende, im Jahr 1700 in Juditten, starb Gottsched mit sechsundsechzig Jahren.

Gottsched erneuerte (?) das deutsche Drama, indem er es sehr stark an der klassizistischen französischen Dramatik anlehnte. Gottscheds Vorstellung eines Dramas ist antibarock, und sie hält sich streng an Formideale. Den Kern seiner Tragödientheorie bildet der Begriff der Fabel – nach Gottsched der Kern jedes Dramas.
Continue reading Vor die Deutschen – Gottsched

Barocke Tragödie

Andreas Gryphius und Georg Philipp Harsdörffer teilten als Zeitgenossen das Schicksal im 17ten Jahrhundert geboren worden zu sein. Der einleitende Satz lässt Pathos anklingen, weil es sich tatsächlich um keine schöne Zeit gehandelt haben muss. In Deutschland herrscht Krieg, der Dreißigjährige Krieg, von 1618 bis 1648. Andreas Gryphius (geb. 1616 in Glogaug, gest. 1664 ebd.) ist erst zwei Jahre alt, als der Krieg in den Wehen liegt.
Continue reading Barocke Tragödie

An ihm kommt keiner vorbei

Wer so viel Glück hatte als Gelehrter im vierten Jahrhundert vor Christus gelebt zu haben, der könnte heutzutage mit Stolz darauf blicken, wie ein ums andere Mal sein Gedankengut zur Grundlage für Denkprozesse in der Postmoderne würde.

Aristoteles dürfte sich glücklich schätzen. 384 v. Chr. in Makedonien geboren, entwickelte er als Schüler Platons eine Menge Ideen und begründete etliche Disziplinen und beeinflusste wieder andere entscheidend. Eine dieser Disziplinen ist die Poetik, auf die heutige Germanisten nicht verzichten, einzig und allein der Tatsache wegen, dass die Überlieferungen des alten Griechen Aristoteles den Ausgangspunkt für die normative Gattungslehre bilden. Im Fokus der nachfolgenden Darstellung stehen Aristoteles’ Ausführungen zur Tragödienlehre. Zugrunde gelegt werden die Paragraphen 5 bis 11 der Poetik des Aristoteles, da sie inhaltlich diesen Schwerpunkt behandeln.
Continue reading An ihm kommt keiner vorbei